Kulturveranstaltungen

B-FAST-Konzept "Sichere Kulturveranstaltungen"

B-FAST-Expert:innen erarbeiten derzeit das Konzept „Sichere Kulturveranstaltungen“, ein umfassendes und je nach Pandemielage flexibles Schutzkonzept zur sicheren Durchführung insbesondere von Veranstaltungen in Binnenräumen. In abgewandelter Form soll das Konzept auch auf Outdoor-Großevents übertragbar sein.

Das Schutzkonzept im Überblick

Sport- und Kulturereignisse spielen eine besondere Rolle im Rahmen der Pandemie, da hier im Indoor- und Outdoor-Bereich eine große Anzahl an Menschen zusammenkommt. Das B-FAST-Netzwerk widmet diesem Bereich im Rahmen der Arbeitsgruppe „Risikobereiche“ eine separate Betrachtung, um Lösungsansätze und Konzepte zu liefern, die auch in diesen Kontexten das Durchbrechen von Infektionsketten ermöglichen. Zusammen mit anderen universitären Standorten sollen umfassende Lösungskonzepte für den Kulturbereich entwickelt werden. Die in den folgenden Abschnitten dargestellten Informationen konzentrieren sich auf die wissenschaftlichen Tätigkeiten der Universitätsmedizin Mannheim in diesem Bereich. 

Auch wenn außerhalb der Lockdown-Phasen durch gesetzliche Lockerungen, das Einhalten von Mindestabständen, Kapazitätenverringerungen, dem Tragen von wirksamen Mund-Nasen-Bedeckungen und der Anwendung von Hygienekonzepten lokal teilweise Veranstaltungen im kleineren Rahmen möglich waren, trifft dies längst nicht auf den Großteil der Veranstalter:innen in der Kulturbranche zu.

Große Festivals, Konzerte mit freier Platzwahl ohne Bestuhlung und insbesondere Clubs oder Veranstaltungsstätten, die nicht Open-Air stattfinden, können nur unter strengen Auflagen Veranstaltungen durchführen. Veranstalter in diesen Bereichen müssen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit ihrer Events entweder mit voller Kapazität oder einer mindestens 60%igen Auslastung ihres Venues kalkulieren, um den ökonomischen Break-Even-Punkt zu erreichen.

Jede:r Ticketkäufer:in zählt also. Unter den genannten Einschränkungen sind die meisten Veranstaltungen weder durchführbar noch betriebswirtschaftlich sinnvoll darstellbar.

Die Problematik der Corona-Pandemie liegt darin begründet, dass über die Hälfte aller COVID-19-Erkrankungen asymptomatische Verläufe vorweisen, in denen die betroffenen Personen mehrere Tage Viren unwissentlich verbreiten. Konzepte rund um Präventivtestungen bei Veranstaltungen können dazu beitragen, Veranstaltungen wieder sicher durchzuführen. Das Konzept „Sichere Kulturveranstaltungen“ sieht variabel skalierbare Maßnahmen vor, die sich an das lokale Pandemiegeschehen anpassen lassen.

Um möglichst schnell Erkenntnisse zu gewinnen, werden unter anderem verschiedene Abnahmemodalitäten bei Kulturereignissen erprobt und Aerosol- sowie Tröpfchenexposition situationsspezifisch beurteilt.

Die Umsetzung eines standardisierten und adaptierbaren Prozesses der Surveillance bei Kulturveranstaltungen sowie dem Risikomanagement von ausgewählten kulturellen Referenzsituationen hat sich als möglich erwiesen. Außerdem können Handlungsempfehlungen wie Einlassverfahren und Steuerung von Besucherströmen für Großveranstaltungen ausgesprochen werden.

Im Fokus der Untersuchungen des B-FAST-Risikobereichs der Kulturveranstaltungen und von zentraler Bedeutung sind die Präventivtestungen von Veranstaltungsbesuchern. Ein prominentes Testverfahren ist der Nachweis von Viren oder Virusmaterial aus dem Speichel oder mittels Nasen-Rachen-Abstrich. Der klassische Abstrich mittels Tupfer aus dem Nasen-Rachen-Raum, aber auch die etablierte Testung mittels Speichel- oder Gurgelwassers sind gleichwertig, wenn es darum geht das Ansteckungspotenzial einer möglicherweise infizierten Person zu erfassen.

Ein Testverfahren hierzu ist die RT-PCR, bei der über einen Verstärkungsprozess das Vorhandensein von Virus-Erbmaterial nachgewiesen wird. Dieses Verfahren kann Viren bereits früh in der Vermehrung nachweisen und ist somit sehr empfindlich, jedoch dementsprechend aufwendig und bedarf einer Bearbeitungszeit von mehreren Stunden. Trotz des Vorteils, von allen Verfahren am frühesten Personen zu identifizieren, die später ansteckend werden könnten, birgt dieses Verfahren die Nachteile der nicht perfekten Sensitivität und der nicht perfekten Spezifizität.

Antigen-Tests hingegen nutzen biologische Antikörper, die an Eiweiße auf der Oberfläche des Virus binden. Die Empfindlichkeit dieses Verfahrens ist zwar geringer als bei der RT-PCR, jedoch liefert die Durchführung von preiswerten Antigen-Tests bereits nach 15 Minuten ein Ergebnis, wodurch diese bei gezielter Kombination mit unterschiedlichen Maßnahmen sinnvoll eingesetzt werden können.  Ein negativer Antigen-Test vom gleichen Tag und konsequentes Tragen einer wirksamen Mund-Nasen-Bedeckung geht mit einem sehr geringen Risiko einer Infektionsverbreitung einher.

Projektübersicht: Veranstaltungen in Binnenräumen

Bereits erfolgreich durchgeführte Testungen bei Kulturveranstaltungen werden in den folgenden Abschnitten beschrieben. 

Sichere Durchführung von Kulturveranstaltungen in der Pandemie

B-FAST-Expert:innen erarbeiten derzeit das Konzept „Sichere Kulturveranstaltungen“, ein wissensbasiertes Schutzkonzept für Veranstaltungen in Binnenräumen, welches das Tragen eines wirksamen Mund-Nasen-Schutzes und den Nachweis eines negativen qualitativ hochwertigen Tests (mindestens Antigen-Schnelltest) als Grundlage definiert. 

Das Ansteckungsrisiko wird weiterhin durch einen Vorab-Fragebogen, der die Symptomfreiheit überprüft, dass in den Tagen vor der Veranstaltung ein geringes Ansteckungsrisiko herrschte, verringert. Der Fragebogen generiert darüber hinaus eine Risiko-Klassifizierung und leitet entsprechende Empfehlungen ab. Diese Cluster sind sowohl für die Gäste von Veranstaltungen, als auch für Mitarbeiter:innen einer Location sowie Künstler:innen anwendbar. 

Online-Gesundheitsfragebogen

Auf der Frankfurter Buchmesse vom 14.-18. Oktober 2020 wurde ein Online-Gesundheitsfragebogen zur Selbsterklärung zu COVID-19 eingesetzt. Hiermit wurde erfasst, ob sich Besucher in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben, ob ein Risikokontakt zu einem positiv-getesteten Infizierten stattgefunden hat oder sogar eine Infektion bei der Person selbst diagnostiziert wurde. Außerdem wurden diverse Symptome abgefragt. 

Der Zutritt zum Messegelände wurde nur gestattet, wenn die Beantwortung der Fragen im Sinne des lokalen Gesundheitsamtes als nicht gefährdend eingestuft wurde. Der Fragebogen wurde digital angeboten und ausgefüllt. Das zugehörige Ticket wurde bei einer Angabe, die nicht zum Zutritt berechtigte, für die elektronische Zutrittskontrolle automatisch gesperrt.

Einsatz von Antigen-Schnelltests bei Kulturveranstaltungen

Im Rahmen einer Kulturveranstaltung am 31.10.2020 wurden erstmals Antigen-Schnelltests erprobt. Dafür wurde der Veranstaltungsort mit Sicherheitsabstand bestuhlt, es galten Maskenpflicht und bestimmte Hygieneregeln. Besucher:innen füllten einen Gesundheitsfragebogen aus und konnten nach online-Buchung eines Timeslots einen Antigen-Test vor Ort durchführen. Zu diesem Zweck wurde an der Veranstaltungslocation eine Teststraße mit zwei Abstrichkabinen errichtet, in denen medizinisches Fachpersonal eine Probe in Form eines Rachen-Abstrichs entnahm. Das Testergebnis wurde per E-Mail oder SMS zugestellt. 

Bei negativem Ergebnis und unter Einbezug des Fragebogens konnte der Einlass unter minimalem Rest-Ansteckungsrisiko gewährt werden.

Projektübersicht: Outdoor-Veranstaltungen

Das Test-Konzept für Sport-Großveranstaltungen muss noch erprobt werden. 

Fußball Stadion Berlin

DFL-Studie: Konzepte für Fußballstadien

Die Studie der Deutschen Fußball-Liga (DFL) hat das Ziel, das umfangreiche, von DFB und DFL entwickelte Hygienekonzept für Fußball-Clubs zu validieren. 

Das Studiendesign sieht vor, dass Besucher:innen vor dem Spiel mittels Rachen-Gurgelwasser eine Probe generieren, die analog eines herkömmlichen Rachen-Abstrichs gewonnen und im Labor per RT-PCR ausgewertet wird. Außerdem wird ein Online-Gesundheitsfragebogen zur Abschätzung der Vortestwahrscheinlichkeit ausgefüllt. 

Im nächsten Schritt sieht die Studie vor, dass die Besucher:innen nach sechs Tagen oder nach Einsetzen von COVID-19-typischen Symptomen den Fragebogen erneut ausfüllen und eine weitere Gurgel-Probe (Testkit) abgeben. Bei einer positiv getesteten Probe wird die rückblickende Clusterstrategie zum Contact Tracing angewendet. 

Contact Tracing im Stadion

Mithilfe der kompletten Teilnehmer:innenliste und des Sitzplanes des Stadions können Kontaktpersonen des Indexfalles ermittelt werden. Die evidenzbasierte Studie soll die Wirksamkeit der von der DFL initiierten Hygienekonzepte beweisen.

Die Umsetzung eines standardisierten und adaptierbaren Prozesses der Surveillance bei Kulturveranstaltungen sowie Risikomanagement von ausgewählten kulturellen Referenzsituationen hat sich als möglich erwiesen. Außerdem können Handlungsempfehlungen wie Einlassverfahren und Steuerung von Besucher:innenströmen für Großveranstaltungen ausgesprochen werden.

Stadium

Projektpartner

"Für das Freiburger Jazzhaus als eines der renommiertesten Veranstaltungshäuser in Deutschland sind wissenschaftlich erprobte Konzepte mit Präventivtesting die einzige Möglichkeit, um in der aktuellen Situation Live-Kultur wieder in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen stattfinden zu lassen."